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Liebe Gemeindeglieder und Freunde unserer Kirchengemeinde,

„Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr, Gott, zu unseren Zeiten. Es ist ja doch kein andrer nicht, der für uns könnte streiten.“

Dieser Text ist die deutsche Fassung eines alten lateinischen Gesangs. Martin Luther hat ihn 1529 übersetzt. In einer Zeit, wo die Türken vor Wien standen und Karl V. die Gegenreformation verstärkte, bittet Luther um Gottes Frieden.

Vielleicht ist diese Bitte heute noch notwendiger als damals. Nicht nur der Weltfrieden ist ständig in neuer Gefahr sondern auch das zwischenmenschliche Leben in unserem Lande gerät immer mehr in Lebensgefahr. Krieg in der Familie, mit der Nachbarschaft, am Arbeitsplatz, in der Gemeinde, auf den Straßen, in Bussen und Bahnen, zwischen Ost und West.

Die Ordnungshüter sind überfordert, schauen aus Angst vor Kriminellen oft weg oder aber kriminalisieren Falschparker, Falschwähler und Steuerzahler. Der Polizeipräsident von Berlin ist mehr an der Unterwäsche seiner Mitarbeiter interessiert, als in ihrer Gesundheit (siehe Maikrawalle). Polizisten und Soldaten werden nach Afghanistan geschickt um dort westlichte Zivilisation einzuführen. Wie diese aussieht kann man u. a. in perversen Fernsehfilmen, Videos und PC-Spielen des Westens erkennen. Und während die Kriegstreiber und Morallisten der Welt die Tatsache des Krieges heuchlerisch verharmlosen oder darüber sinnieren, sterben täglich Menschen an deren verlogener Politik und Ideologie. Aus der Finanzkrise ist nun ein Finanzkrieg geworden. So genannte Spekulanten aus USA wollen sich den Reichtum Europas zu Nutzen machen und sehen mit Schadenfreude wie ganze Volkswirtschaften zu Grunde gehen. Dabei ist man wieder nicht bereit Ross und Reiter dieser menschenverachtenden Banker-Lobby zu nennen. Die Kirche hatte bei der Vermittlung von Friedensethik, zumindest in den letzten 65 Jahren, immer eine besondere Bedeutung. Heute aber habe ich die Befürchtung, dass Kirche und ihre Botschaft platt gemacht werden sollen, weil ihre Friedensethik nicht mehr mit den Kriegsplänen von Spekulanten und Verbrechern übereinstimmt. So finden es Politiker und Medien anmaßend, wenn Vertreter der Kirche darauf hinweisen, dass mit Gewalt und Krieg kein Frieden gelingen kann.

„Frieden schaffen ohne Waffen“, für diese Überzeugung sind Menschen schon in der Diktatur des Proletariats (DDR) bedroht worden. Umso schmerzlicher ist es jetzt mitzuerleben, dass das Wort von der Versöhnung und vom Frieden heute wieder in den Schmutz getreten wird – von den Vertretern der Diktatur des Geldes. Wo das geschieht, wo Friedensvermittler und Gottes Wort nicht mehr gehört werden, da kommt es zum Krieg.

Deshalb: „Verleih uns Frieden gnädiglich“.

Mit freundlichen und guten Wünschen grüßt Sie

Pfarrer

Ihr Pfarrer



Andreas Voigt